KWF-Siegel, EG-Baumusterprüfung und Newton-Werte: Was die drei Prüfaussagen auf einer Sauenschutzhose wirklich bedeuten
Stellen Sie sich eine Drückjagd im November vor. Eine Sau, die niemand erwartet hat, bricht aus der Dickung. Sie kniet gerade über dem erlegten Stück. In diesem Moment steht zwischen den Hauern und Ihrem Oberschenkel das, was auf dem Etikett Ihrer Hose als Schutzversprechen vermerkt ist. Vielleicht „KWF-getestet“. Vielleicht „PSA-zertifiziert“. Vielleicht eine Newton-Zahl. Diese drei Angaben klingen verwandt, prüfen aber unterschiedliche Dinge — und werden auf dem Markt häufig miteinander verwechselt.
Wir bei ADURO werden in Beratungsgesprächen immer wieder gefragt, was die Siegel auf einer Sauenschutzhose eigentlich aussagen — und ob ein „KWF-getestet“ nicht ohnehin schon vollständigen Schutz garantiert. Die Antwort ist differenzierter, als die Werbung vermuten lässt. Dieser Artikel ordnet die drei Prüfaussagen ein und erklärt, worauf Sie beim Kauf tatsächlich achten sollten. Er knüpft inhaltlich an unseren Beitrag zu Newton-Werten und Prüfverfahren bei Hundeschutzwesten an, behandelt nun aber das andere Ende der Schutzkette — die Hose für den Hundeführer.
Drei Prüfaussagen, drei Bedeutungen
Auf einer Sauenschutzhose finden sich in der Regel bis zu drei separate Hinweise auf Prüfungen oder Materialwerte. Sie stehen häufig in derselben Aufzählung und werden dadurch als gleichwertig wahrgenommen, obwohl sie sehr unterschiedliche Aspekte abdecken.
Die EG- bzw. EU-Baumusterprüfung ist die sicherheitstechnische Hauptprüfung. Sie wird durch eine notifizierte Stelle durchgeführt — in Deutschland in aller Regel durch die DPLF (Deutsche Prüf- und Zertifizierungsstelle für Land- und Forsttechnik beim KWF in Groß-Umstadt). Geprüft wird die Schutzwirkung des Materials in einer Reihe definierter Belastungsfälle.
Das KWF-Siegel „Funktion & Komfort“ ist ein zusätzlicher, optionaler Praxistest. Er wird ergänzend zur Baumusterprüfung angeboten und prüft Tragekomfort, Bewegungsfreiheit und Alltagstauglichkeit anhand einer kleinen Gruppe von Testpersonen. Die Schutzwirkung selbst gehört nicht zum Prüfumfang dieses Zusatztests.
Der Newton-Wert schließlich ist eine reine Materialkennzahl. Er beschreibt, welche Kraft auf das Schutzgewebe wirken muss, bis dieses unter Laborbedingungen durchstoßen wird, und bezieht sich auf eine Norm — meist DIN EN 13567 in einem ihrer Performance Level.
Begriff: notifizierte Stelle
Eine notifizierte Stelle ist eine von einem EU-Mitgliedstaat bei der Europäischen Kommission gemeldete Prüforganisation, die EG-Baumusterprüfungen für Schutzausrüstung durchführen darf. Für Sauenschutzhosen ist die DPLF in Deutschland die in der Praxis maßgebliche Adresse.
Die drei Angaben schließen sich gegenseitig nicht aus — eine gut zertifizierte Hose trägt typischerweise mehrere davon. Sie ersetzen sich aber auch nicht. Wer nur eine der drei Aussagen kennt, kennt das Produkt nur teilweise.
Die EG-Baumusterprüfung: Was tatsächlich geprüft wird
Die EG-Baumusterprüfung — bei nach 2018 zertifizierten Produkten häufig auch als EU-Baumusterprüfung bezeichnet — ist das, was im Sicherheitskontext zählt. Sie beruht auf der europäischen Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstung (PSA) und ordnet eine Sauenschutzhose in die PSA-Kategorie III ein: Schutz gegen Risiken, die zu schweren, irreversiblen Gesundheitsschäden führen können.
Für die konkrete Prüfung von Keilerschutzhosen hat das KWF in Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe einen eigenen Prüfgrundsatz entwickelt, die „Technische Spezifikation zur Prüfung von Keilerschutzhosen“. Dieser Grundsatz wurde inzwischen in die DIN 19432 überführt, deren Entwurfsfassung im Mai 2024 veröffentlicht wurde. Sobald die Norm im Weißdruck erscheint, wird sie die bisherige Spezifikation ablösen und einen einheitlichen, allgemein verbindlichen Prüfrahmen schaffen.
Geprüft werden in der EG-Baumusterprüfung mehrere Eigenschaften, die zusammen die Schutzwirkung der Hose abbilden:
Durchstichwiderstand mit Keilerzahn-Imitat. Ein nachgeschmiedeter Keilerzahn aus Edelstahl, montiert an einem Fallgewicht von mehr als einem Kilogramm, trifft aus einer Fallhöhe von 65 Zentimetern auf das Material. Daraus ergibt sich eine Aufprallenergie von 7,05 Joule, die zehnmal an verschiedenen Stellen des Schutzbereichs appliziert wird. Das Material darf in keinem der zehn Schläge durchschlagen werden.
Schutzbereichsmaße. Die Hose muss vordefinierte Mindestabmessungen für den geschützten Bereich erfüllen. Welcher Bereich konkret abgedeckt sein muss, wird in der Spezifikation festgelegt — dazu gleich mehr.
Weiterreißfestigkeit. Wie verhält sich das Material, wenn nach einem ersten Treffer weitere Belastungen folgen? Ein guter Hauer-Schutz, der nach dem ersten Aufprall weiterreißt, schützt beim zweiten Schlag nicht mehr.
Maßänderung nach 5-maliger Maschinenwäsche. Das Material wird vor der Prüfung fünfmal nach Herstellerangabe gewaschen und getrocknet. So wird sichergestellt, dass die Hose auch nach normaler Pflege ihren Schutz behält.
Kennzeichnung und Nutzerinformation nach ISO 13688:2013 — also klare Vorgaben, was auf dem Etikett und in der Gebrauchsanleitung stehen muss.
Die Berufsgenossenschaft formuliert die Zielgröße sehr konkret: „Erfüllt die Schutzkleidung die Anforderung des Prüfgrundsatzes, erleidet der Träger an den geschützten Stellen durch die Hauer zwar Hämatome, aber keine Fleischwunden.“ (DGUV Test, Mai 2024)
Was die Prüfung beschreibt — und was nicht
Die EG-Baumusterprüfung ist eine Modellprüfung mit fest definierter Aufprallenergie (7,05 Joule), definierter Geometrie (Keilerzahn-Imitat) und definiertem Pflegezustand (5 Wäschen). Sie liefert belastbare Aussagen darüber, wie sich das Material unter diesen Bedingungen verhält. Ein realer Hauer-Treffer kann jedoch in Energie, Winkel und Verlauf abweichen — von einer Anlauf-Sau mit höherer Energie bis zu einem flachen Streifschuss. Die Prüfung ist also eine Entscheidungshilfe, kein Garant für jeden denkbaren Realfall.
Das KWF-Siegel „Funktion & Komfort“
Neben der sicherheitstechnischen Baumusterprüfung bietet das KWF einen ergänzenden Praxistest an, das KWF-Siegel „Funktion & Komfort“. Dieser Test ist nicht verpflichtend, sondern wird optional zur Baumusterprüfung durchlaufen.
Geprüft wird, ob die Hose im Praxiseinsatz tragbar ist: Bewegungsfreiheit, Sitz, Atmungsaktivität, Verarbeitung der Nähte und Reißverschlüsse, Tragekomfort über mehrere Tage oder Wochen. Die Bewertung erfolgt durch eine kleine Gruppe von Testpersonen — typischerweise fünf —, die die Hose im Revier oder bei der Forstarbeit tragen und im Anschluss einen Bewertungsbogen ausfüllen.
Das ist sinnvoll und wertvoll. Eine Hose, die zwar Newton-Werte erfüllt, aber sich nicht bewegen lässt oder im Sommereinsatz unerträglich heiß wird, wird im Ernstfall nicht getragen — und schützt dann gar nicht. Das KWF-Siegel adressiert genau diese Lücke zwischen Laborwerten und Alltag.
Wichtig ist nur die saubere Trennung: Das KWF-Siegel „Funktion & Komfort“ sagt nichts über die Durchstichfestigkeit oder die Aufprallenergie-Belastbarkeit aus. Diese Aussage stammt aus der EG-Baumusterprüfung. Viele Hosen tragen beide Siegel — manche aber nur eines. Auf dem Etikett ist das nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Wir empfehlen, beim Hersteller gezielt nachzufragen, welches Prüfverfahren mit welchem Ergebnis durchlaufen wurde und ob ein Prüfzertifikat einer akkreditierten Stelle vorliegt.
Newton-Werte auf Hosen: ein bekanntes Konzept, eine andere Geometrie
Der Newton-Wert nach DIN EN 13567 ist das Material-Benchmark, das wir im Newton-Artikel ausführlich beschrieben haben. In Kürze: Ein Prüfstift mit etwa 3 mm² Querschnitt wird mit 6,6 Metern pro Sekunde auf das Gewebe geführt; gemessen wird die Kraft, bei der er das Material durchdringt.
Die Norm definiert Performance Level. Performance Level 1 entspricht einem Mindestmittelwert von 350 Newton, Performance Level 2 einem Mindestmittelwert von 800 Newton. Diese Werte stammen ursprünglich aus dem Fechtsport — der Norm-Bezug existiert dort, weil bisher keine eigene Norm speziell für Hunde- und Hundeführer-Schutz vorliegt. Das ändert sich mit der DIN 19432, die genau diese Lücke schließen soll.
Für die Sauenschutzhose bedeutet das praktisch: 800 Newton sind ein deutlich höherer Schutzwert als 350 Newton. Welche Schwelle bei der EG-Baumusterprüfung als Untergrenze gilt, hängt von der jeweiligen Prüfspezifikation ab — wer Vergleichbarkeit möchte, sollte den konkret geprüften Wert beim Hersteller erfragen, statt sich auf den Hinweis „PSA-zertifiziert“ allein zu verlassen.
Wo die EG-Baumusterprüfung an ihre Grenzen kommt
Die EG-Baumusterprüfung ist sorgfältig konstruiert, hat aber eine Eigenschaft, die Käufern oft nicht bewusst ist: Sie prüft genau die Bereiche der Hose, die mit Schutzmaterial versehen sind. Wenn ein Hersteller bestimmte Zonen — etwa die Beinrückseite oder den Bereich um das Gesäß — bewusst nicht mit Stichschutz versieht, werden diese Zonen folgerichtig auch nicht in den Prüfumfang einbezogen.
Daraus ergibt sich eine sachliche Beobachtung, keine Wertung: Zwei Hosen können beide eine gültige EG-Baumusterprüfung tragen — und trotzdem sehr unterschiedlich viel Schutzfläche abdecken. Die eine schützt umlaufend bis zum Knöchel, die andere nur die Beinvorderseite. Beide bestehen ihre jeweilige Prüfung, weil jeweils nur die geschützten Zonen geprüft werden.
Für den Käufer heißt das: Die Baumusterprüfung beantwortet die Frage „Wie gut schützt das Material an den geschützten Stellen?“ — nicht die Frage „Welche Stellen der Hose sind überhaupt geschützt?“ Beide Fragen sind für die Kaufentscheidung relevant. Die zweite muss aktiv aus dem Datenblatt oder beim Hersteller erfragt werden.
Praxis-Box: Was auf dem Etikett nicht steht
Die EG-Baumusterprüfung sagt aus: Diese Hose erfüllt die Anforderungen an den Durchstichwiderstand in den Schutzzonen. Sie sagt nicht aus: Diese Hose hat einen Rundum-Schutz. Der Unterschied ist entscheidend — und nur durch Nachfragen, durch Studium des Produktdatenblatts oder durch genaue Betrachtung der eingenähten Stichschutzlagen erkennbar.
DIN 19432 (Entwurf 2024): Was sich gerade ändert
Im Mai 2024 wurde die DIN 19432 als Norm-Entwurf veröffentlicht. Sie überführt den bisherigen Prüfgrundsatz des KWF in eine offizielle DIN-Norm und schafft damit zum ersten Mal einen einheitlichen, allgemein verbindlichen Prüfrahmen für Keilerschutzhosen. Solange die Norm noch im Entwurfsstatus ist, gelten parallel die bisherigen Prüfgrundsätze weiter — die DPLF prüft weiterhin auf dieser Basis.
Für Käufer ist relevant: Sobald die DIN 19432 im Weißdruck erscheint, wird der Hinweis „geprüft nach DIN 19432″ (oder ähnlich) auf zertifizierten Hosen erscheinen. Damit lassen sich Prüfaussagen künftig einheitlicher vergleichen. Bis dahin ist die Bezeichnung „EG-Baumusterprüfung nach Prüfgrundsatz des KWF / DPLF“ die maßgebliche Formulierung.
Naht-Konstruktion: das übersehene Detail
Bei aller Konzentration auf Newton-Werte und Prüfsiegel rückt ein Konstruktionsdetail oft in den Hintergrund, das im realen Schadensfall den Unterschied machen kann: die Ausrichtung der Naht, mit der die Stichschutzlagen einer Hose miteinander verbunden sind.
Stichschutzmaterial wird in einer Hose typischerweise aus mehreren Bahnen zusammengesetzt — eine durchgehende Fläche ohne Verbindungsnaht ist für die Passform einer Hose nicht herstellbar. Wo zwei Bahnen aneinanderstoßen, müssen sie miteinander vernäht werden. Bei dieser Verbindungsnaht entsteht eine Nahtzugabe: ein kleiner Streifen Stoff jenseits der Stichlinie, der nach dem Vernähen als Grat aus der ansonsten flachen Stofffläche hervorsteht. Über die Ausrichtung dieses Grats entscheidet sich, wie die Hose im Trefferfall reagiert.
Bei der in der Branche gängigen Variante zeigt die Nahtzugabe nach innen — die Hose wird nach dem Vernähen „auf links“ gedreht, sodass die Außenseite glatt und optisch sauber wirkt und der Grat auf der Körperinnenseite verschwindet. Diese saubere Außenfläche hat allerdings einen Preis: An der Stelle, an der unter der glatten Oberfläche die Naht sitzt, treffen zwei Stoffkanten aneinander. Ein Hauer, der entlang der Hose gleitet, kann diese minimale Diskontinuität finden, zwischen die beiden Stoffkanten eindringen und in der Naht hängenbleiben. Sobald das passiert, hält ihn nicht mehr das Stichschutzgewebe, sondern allein der Nähfaden. Nähfäden erreichen nicht denselben Schutzwert wie das Stichschutzmaterial — eine Schwachstelle, die in keiner Norm explizit geprüft wird, im realen Treffer aber relevant werden kann. Uns ist aus dem vergangenen Jahr ein dokumentierter Fall bekannt, in dem ein Hauer auf genau diesem Weg in eine Hose mit innenliegender Naht eingedrungen ist und den Hundeführer trotz vorhandenem Stichschutz verletzt hat.
Bei der außenliegenden Variante bleibt die Nahtzugabe nach dem Vernähen außen — die Hose wird nicht „auf links“ gedreht. Das ergibt eine sichtbar erhabene Naht auf der Außenseite, die optisch weniger glatt wirkt, im Trefferfall aber den entscheidenden Unterschied macht: Ein Hauer, der entlang der Hose gleitet, trifft auf den erhabenen Grat und rutscht an ihm ab. Eine Möglichkeit, in die Naht einzudringen, besteht für ihn nicht — die offene Seite der Nahtzugabe zeigt zur Körperseite und ist für einen von außen kommenden Hauer nicht erreichbar.
Wir bei ADURO haben uns nach dem dokumentierten Schadensfall für die außenliegende Konstruktion entschieden. Inzwischen ist diese Variante auch bei einigen anderen Herstellern zu finden. Welche Variante eine konkrete Hose verwendet, ist von außen meist erkennbar: Die außenliegende Naht ist eine sichtbar erhabene Kante entlang der Verbindungslinie, die innenliegende dagegen eine fast unsichtbare Stoßnaht auf glatter Fläche.
Vier Fragen beim Kauf einer Sauenschutzhose
In Anlehnung an die Checkliste aus unserem Newton-Artikel — hier die vier Fragen, die wir empfehlen, vor dem Kauf einer Sauenschutzhose zu stellen:
→ Liegt eine EG- bzw. EU-Baumusterprüfung durch eine notifizierte Stelle (in Deutschland typischerweise DPLF) vor — und welches Aktenzeichen / Prüfbericht-Datum?
→ Welche Zonen der Hose sind tatsächlich mit Schutzmaterial versehen — Rundum, nur Vorderseite, mit oder ohne Beinrückseite, mit oder ohne Gesäßbereich?
→ Welcher Newton-Wert nach DIN EN 13567 wurde für das verbaute Stichschutzmaterial geprüft, und welcher Performance Level (1 oder 2) wird damit erreicht?
→ Wie ist die Stichschutz-Naht konstruiert — innenliegend oder außenliegend?
Ein zusätzliches „KWF-Funktion-und-Komfort-Siegel“ ist ein Plus für Tragekomfort und Praxistauglichkeit. Es ersetzt aber nicht die Antworten auf die vier obigen Fragen.
Wie wir bei ADURO entwickeln
Wir geben für unsere ADURO Sau-Protect Profi die folgenden Konstruktions- und Prüfeigenschaften in unseren Produktunterlagen an:
- Rundum-Stichschutz von der Hüfte bis zum Beinabschluss — auch im Bereich der Beinrückseite und des Gesäßes
- EG-Baumusterprüfung durch eine notifizierte Stelle, gültig bis 06.04.2030
- 800 N Stichschutzmaterial (Performance Level 2 nach DIN EN 13567)
- Außenliegende Naht-Konstruktion zwischen den Stichschutzlagen
- Gewicht ca. 1,6 kg in Größe 52 (vergleichbar mit Hosen ähnlicher Schutzklasse, bei voller Schutzfläche)
- Zusätzliche Belüftungsschlitze, abklappbare Beinabschlüsse und Druckknöpfe für Hosenträger
Im folgenden Video stellen wir die Hose im Detail vor — vom Material bis zur Naht-Konstruktion:
Wie jede Schutzkleidung minimiert auch unsere Sau-Protect Profi den Schaden im Trefferfall, sie eliminiert ihn nicht. Eine Sauenschutzhose schützt nicht absolut vor Verletzungen — sie reduziert das Verletzungsrisiko erheblich. Im Schadensfall raten wir grundsätzlich zur ärztlichen Abklärung, auch wenn die Hose selbst nicht durchdrungen wurde, weil stumpfe Krafteinwirkung innere Verletzungen verursachen kann.
Häufige Fragen
Ist eine PSA-zertifizierte Sauenschutzhose grundsätzlich sicher genug?
Die PSA-Kategorie III, in die Sauenschutzhosen eingeordnet werden, verlangt eine EG-Baumusterprüfung durch eine notifizierte Stelle. Damit ist ein definierter Mindestschutz in den geschützten Zonen sichergestellt. Welcher konkrete Schutzwert erreicht wird und welche Zonen geschützt sind, ist von Modell zu Modell unterschiedlich — auch innerhalb der Kategorie III. Die Antwort hängt also vom konkreten Modell ab, nicht von der bloßen PSA-Einstufung.
Was prüft das KWF-Siegel „Funktion & Komfort“ konkret?
Tragekomfort, Bewegungsfreiheit, Verarbeitungsqualität und Alltagstauglichkeit. Eine kleine Gruppe von Testpersonen trägt die Hose über mehrere Tage oder Wochen und gibt im Anschluss eine Bewertung ab. Die Durchstichfestigkeit ist nicht Gegenstand dieses Tests — sie stammt aus der separaten EG-Baumusterprüfung.
Warum erscheinen viele „zertifizierte“ Hosen unterschiedlich gut?
Weil die EG-Baumusterprüfung nur die Zonen prüft, die mit Stichschutz versehen sind. Eine Hose mit Rundum-Schutz wird umlaufend geprüft, eine Hose mit Frontschutz nur frontal. Beide bestehen ihre jeweilige Prüfung — bieten aber sehr unterschiedlich viel Schutzfläche. Diese Information steht selten auf dem Etikett und muss aktiv erfragt oder dem Datenblatt entnommen werden.
Wie lange ist eine EG-Baumusterprüfung gültig?
EG-Baumusterprüfbescheinigungen werden befristet ausgestellt, in der Regel für fünf Jahre. Nach Ablauf muss die Prüfung erneuert werden — eine Hose mit abgelaufenem Zertifikat darf zwar weiter getragen werden, der Hersteller darf das Modell aber nicht mehr neu als „zertifiziert“ in Verkehr bringen, ohne die Prüfung zu erneuern.
Was ändert sich mit der DIN 19432?
Die DIN 19432 (Entwurf Mai 2024) überführt den bisherigen Prüfgrundsatz für Keilerschutzhosen in eine offizielle DIN-Norm. Damit entsteht ein einheitlicher, allgemein verbindlicher Prüfrahmen, der die Vergleichbarkeit zwischen Modellen verbessert. Bis zur Verabschiedung des Weißdrucks gelten die bisherigen Spezifikationen weiter.
Kann ich eine Sauenschutzhose normal waschen?
Ja, die meisten zertifizierten Hosen sind maschinenwaschbar. Die EG-Baumusterprüfung erfasst die Maßänderung nach fünf Wäschen. Wichtig ist, die Pflegehinweise des Herstellers zu beachten — bestimmte Waschzusätze und Trocknerprogramme können das Stichschutzmaterial beschädigen.
Wann sollte eine Sauenschutzhose ausgetauscht werden?
Spätestens nach einem dokumentierten Treffer durch einen Hauer — auch wenn die Hose äußerlich intakt wirkt. Innere Faserstrukturen im Stichschutzmaterial können durch einen einzelnen Treffer beschädigt sein, ohne dass dies von außen erkennbar ist. Zusätzlich empfehlen wir, abgenutzte Hosen mit erkennbaren Verschleißerscheinungen (durchgescheuerte Bereiche, beschädigte Nähte, fehlende Gamaschen) auszutauschen.
Kann ich das Prüfzertifikat zu einer ADURO-Hose einsehen?
Ja. Auf Nachfrage stellen wir Kunden gerne die EG-Baumusterprüfbescheinigung und die zugehörigen Stoff-Prüfberichte zur Verfügung.
Quellen und weiterführende Literatur
- Verordnung (EU) 2016/425 über persönliche Schutzausrüstung
- DIN EN 13567:2007-09 — Schutzkleidung für Fechtsport
- DIN 19432:2024-05 (Entwurf) — Schutzkleidung — Keilerschutzhosen
- DGUV Test (Mai 2024) — Prüfgrundsatz Keilerschutzhosen
- KWF (Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik), Groß-Umstadt — Prüfvorschrift Keilerschutz und Siegel „Funktion & Komfort“
- DPLF (Deutsche Prüf- und Zertifizierungsstelle für Land- und Forsttechnik) beim KWF — notifizierte Stelle für die EG-Baumusterprüfung
- ISO 13688:2013 — Schutzkleidung, allgemeine Anforderungen
- BGN / DGUV Test — Keilerzahn-Falltest Prüfapparatur
ADURO Jagd und Hund GmbH · Hintergrundwissen · Stand Mai 2026
